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Übersicht Zeitungsberichte  Einsatzberichte
Die berichtete über die Feuerwehr:
Montag, 18. April 2005
Spektakuläre Rettungsübung unter Tage
" Feuertaufe" im Bergbaurevier Turm Rosenhof
Von Stefan Voelker
CLAUSTHAL-ZELLERFELD. "Zwei Verschüttete - Im Bergwerksstollen eingeklemmt - Verdacht auf Wirbelsäulenverletzung" so der Notruf. Acht Minuten später ist die Gruppe "Absturzsicherung", am Einsatzort. Das Übungsszenario am Freitagabend, von langer
Hand vorbereitet, sollte die Beteiligten für den Ernstfall fit machen und die Beobachter von der Einsatzbereitschaft der Bergungstruppe überzeugen.
Gegen 18 Uhr rückt das Team aus zehn Männer und zwei Frauen der Feuerwehr und der Bergwacht an der runden Radstube des "Thurm Rosenhof" an, begleitet von der Besatzung des Drehleiter- und des Rüstwagens. Knochenarbeit, höchste Konzentration und nasskalte Füße stehen ihnen in der nun kommenden Stunde bevor: Es gilt, zunächst bis in eine Tiefe von 25 Metern in die Radstube
einzufahren, zwei Verschüttete in der "Altensegener Tiefe Rösche" - ein Bergwerksstollenmit einer Ganghöhe von teils nur 60 Zentimetern - aufzufinden und diese dann fachgerecht zu bergen.
"Hier geht Sicherheit vor Schnelligkeit", so der Clausthal-Zellerfelder Ortsbrandmeister Lothar Kahla. "Der Schwierigkeitsgrad ist hoch. Das Problem ist die tiefe Temperatur von nur sechs Grad Celsius im Berg. Hier muss der Verletzte schon während der Bergung vor Auskühlung geschützt werden."
Platzangst kein Thema
Das Vordringen in einen 80 Meter langen Gang, in dem wegen der niedrigen Decke nur gekrochen werden kann und zudem ein kleiner Wasserlauf das Fortkommen erschwert, ist nicht jedermanns Sache. "Klaustrophobie kann hier schnell zum Problem werden", kommentiert der Ortsbrandmeister.Für Mitglieder der Bergungsgruppe "Absturzsicherung" - übrigens alles Freiwillige - darf Platzangst kein Thema sein.
Muskelkraft, Ausdauer und Besonnenheit sind für Sicherung und Abtransport der Verletzten unentbehrlich. Nachdem sie aus dem Bergwerksstollen herausgezogen worden sind, gilt es, sie mit Hilfe einer Winde aus dem hüfttiefen Wasser am Grund der Radstube bis an die Oberfläche zu befördern. Das bedeutet 25 Höhenmeter und doppelte Sicherung mit vier Kameraden an einer Winde. Denn die Leiter des Feuerwehrwagens kann hier nicht eingesetzt werden.
"Eingespieltes Team"
"Zufrieden und erschöpft zeigten sich die Beteiligten nach 75 Minuten schweißtreibender Arbeit. Gruppeneiter Michael Schulz: "Wir sind ein gut eingespieltes Team. Jeder kann sich auf den anderen verlassen."
Die Übung ist auch laut Jürgen Alich, Bergbauingenieur und Sprecher der "Brigade Rosenhof", ein Erfolg gewesen. Diese Arbeitsgruppe aus ehrenamtlich tätigen Ingenieuren, Steigern, Bergleuten und Mauren ist wesentlich daran beteiligt, dass die "runde Radstube" nach jahrelanger "Aufwältigung" nunmehr so hergerichtet ist, dass sie als Besucherbergwerk im Sommer diesen Jahres eröffnet werden kann.

Bis an die Grenzen ihrer physischen und psychischen Belastungsfähigkeit
gingen die Einsatzkräfte: 25 Meter unter Tage hievten sie die Trage mit dem
vermeintlich Verletzten über knietiefes Wasser hinweg. Fotos: Voelker


Nur durch Kriechgänge zu erreichen
und abzutransportieren: Ein" Verletzter", hier bei der Erstversorgung.
Voraussetzung für Besucherbergwerk
Die "runde Radstube" als mächtiger Ein- und Ausstieg,  den Besucher ab  Sommer dieses Jahres begehen ("befahren")
können, ist die letzte Hürde, die "Rettungskräfte mit dem "Ver-
letzten" nehmen  müssen. Auf der
Trage, beziehungsweise auf dem Schlitten  geht es an Seilen 25 Meter nach oben.
CLAU5THAL-ZELLERFELD. Eine erfolgreiche und von amtlicher Seite begutachtete Bergungsübung ist Voraussetzung für die Einrichtung eines Besucherbergwerks. Als solches soll die im 19. Jahrhundert errichtete runde Radstube - eine in Größe und Bauart einmalige kulturhistorische Einrichtung - im Sommer präsentiert werden. Zuvor wird am 27. und 28. Mai eine Erstbefahrung mit geladenen Gästen stattfinden.
Die Übung in der imposanten Kehrradstube wurde von Thomas Scharfenberg vom Landesbergamt fachkundig beobachtet. Er hat als zuständiger Beamter für das künftige BesucherbergWerk zu beurteilen, ob eine Rettung verunglückter Besucher dieser Anlage durch die dafür zuständige Spezialgruppe "Absturzsicherung" gewährleistet. werden kann. In einer ersten Stellungnahme nach der Übung äußerte er sich in dieser Hinsicht zuversichtig.
Die Einsatzkräfte sahen sich außergewöhnlich widrigen Umständen ausgesetzt: Ausgangspunkt des Einsatzes war das Auffinden so genannter "Schwarzbefahrer" - illegaler Mineraliensucher, die in einem der reichlich vorhandenen Gangauf-
schlüsse verschüttet sind. Hier, unter Tage, ist der Einsatz von Funk nicht möglich. Die Verständigung der Ret-
tungskräfte untereinander über Strecken von mehr als 100 Metern muss trotzdem sichergestellt sein. Zudem ist es in einigen Passagen der Gänge so eng, dass Verletzte jeweils nur von zwei Kräften auf einem Schlitten geschoben werden können: eine Knochenarbeit, körperlich und mental. sv